Pressemitteilung Nr.01/2026
Emmendingen, den 07.01.2026
Wie Inklusion gelingen kann – ein Besuch in der Lebensgemeinschaft
„Am Bruckwald“ in Waldkirch
Wie Inklusion gelingen kann und welche Herausforderungen damit täglich verbunden sind, darüber informierte sich der Landtagsabgeordnete Rüdiger Tonojan bei seinem Besuch in der Lebensgemeinschaft „Am Bruckwald“ in Waldkirch.
Geschäftsführer Michael Danner, der bereits seit 1999 im Hause ist, stellte die Entwicklung von Anfang bis heute ausführlich dar. Das Bruckwald-Dorf am östlichen Rand von Waldkirch ist seit seiner Entstehung stetig gewachsen. Mit der Gründung des Förder- und Freundeskreises im Jahre 1993 wurde der Startschuss gegeben.
Heute beherbergt die Einrichtung rund 140 Bewohner*innen mit unterschiedlichem Unterstützungsbedarf, davon 100 am Standort Am Bruckwald und die restlichen verteilt in der Stadt Waldkirch. Die Gemeinschaft bietet ein breites Spektrum an Werkstätten und Arbeitsbereichen für Menschen mit unterschiedlichen Fähigkeiten und Bedürfnissen an. Ein reiches kulturelles Angebot mit Festen, Konzerten und öffentlich zugänglichen Veranstaltungen tragen zur Vernetzung mit der Region bei.
Verschiedene Werkstätten bieten handwerkliche, kreative und produktive Arbeitsplätze in Bereichen wie Schreinerei, Schlosserei, Bäckerei, Kräuter- und Nudelwerkstatt sowie Café Mundwerk (inkl. Kaffeerösterei) und der Brokkolise-Biokiste. Um genügend eigenes Gemüse im Sortiment zu haben, wurde mit der ehemaligen Gärtnerei Distel in Endingen ein gemeinnütziges Inklusionsunternehmen gegründet. Der Fokus bei allen Arbeitsbereichen liegt auf einer nachhaltigen, regional ausgerichteten Produktion und sinnstiftender Tätigkeit. Unterstützt und angeleitet bei der Alltags- und Freizeitgestaltung, bei Festen und Gemeinschaftsereignissen werden die Menschen von Fachkräften und Teilnehmenden von Freiwilligendiensten (FSJ/BFD).
Rüdiger Tonojan freute sich, von der positiven und breit aufgestellten Entwicklung der Einrichtung zu hören. Er habe selbst seinen Zivildienst beim Heilpädagogischen Sozialwerk gemacht und wisse, wie spannend, vielfältig, fordernd, aber auch bereichernd die Arbeit mit Menschen mit besonderem Förderbedarf sein kann. „Ich würde allen jungen Menschen empfehlen, ein freiwilliges soziales Jahr in einer Einrichtung wie dieser hier am Bruckwald zu machen - hier kann man ganz neue Erfahrungen machen und neue Aspekte des Lebens kennenlernen, die man nie vergisst!“, so der Abgeordnete.
Träger der Lebensgemeinschaft Am Bruckwald ist die Sozialwerk Breisgau gGmbH. Gesellschafter des Sozialwerks sind das Heilpädagogische Sozialwerk Freiburg e.V. mit Sitz in Freiburg und die Heidehof Stiftung GmbH mit Sitz in Stuttgart. Die Heidehof Stiftung, die unter dem Namen Stiftung für Bildung und Behindertenförderung GmbH 1971 von Teilen der Familie Bosch gegründet wurde, ist seit Beginn bis heute sowohl operativ als auch fördernd tätig.
Wichtige Themen sind die Fachkräftesicherung im sozial-therapeutischen und handwerklichen Bereich. Da es schwierig ist qualifiziertes Personal zu bekommen, bietet der Bruckwald auch Ausbildungsplätze in Handwerksberufen und in der Heilerziehungspflege an. Aktuell gibt es 30 Azubis und BA-Studierende, Dazu kommen über 300 Mitarbeiter*innen und über 200 Menschen mit Behinderung, die in den Werkstätten tätig sind. Dass die Gehälter seit mittlerweile vier Jahren nach den Tarifen des TVöD bezahlt werden können ist ein Meilenstein und wirkt sich bei der Personalakquise positiv aus.
Eine weitere Herausforderung ist die Umsetzung der Landesheimbauverordnung. So müssen ältere Häuser weichen und durch Ersatzneubauten ersetzt werden. Denn die Zimmergröße und die Anzahl der Bäder entsprechen nicht mehr den aktuellen Anforderungen. Die Einzelzimmer in den Neubauten erhalten daher auch eigene Bäder. Da zukünftig immer mehr Bewohner*innen ihren Lebensabend hier verbringen werden, muss der Bedarf an Betreuung und für Pflege auch im Wohnbereich abgebildet sein. Der Umbau muss spätestens 2030 abgeschlossen sein. Der Abgeordnete konnte sich ein eigenes Bild vom neuesten Gebäude machen. Auf drei Etagen sind Wohngruppen, Einzelzimmer, Mitarbeiterwohnungen, Gemeinschaftsküche und einem Gemeinschaftsraum. Die ersten Mitarbeiter*innen konnten bereits ihr neues Zuhause beziehen.
Rüdiger Tonojan: „Die Lebensgemeinschaft Am Bruckwald ist eine dynamisch wachsende Einrichtung, die sich stets mit verändernden gesellschaftlichen, politischen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen auseinandersetzen muss. Was Sie hier über die Jahre für Bewohner*innen, Mitarbeiter*innen und die ganze Region geschaffen haben, sucht ihresgleichen.“