Pressemitteilung Nr. 26/2026
Emmendingen, den 22.07. 2026
Landtagsabgeordneter und Kreisrat Rüdiger Tonojan besucht 48° Süd gGmbH:„Soziale Inklusion braucht landespolitische Weitsicht und starken kommunalen Rückhalt“
Der Landtagsabgeordnete und Emmendinger Kreisrat Rüdiger Tonojan (Bündnis 90/Die Grünen) hat das FAIRKAUF-Secondhand-Kaufhaus mit Bistro am Elzdamm in Emmendingen besucht, um sich vor Ort ein Bild von der Arbeit der 48° Süd gGmbH – Zentrum für neue Arbeit – zu machen.
Im Austausch mit Geschäftsführer Patrick Krezdorn standen neben den beachtlichen Integrationserfolgen vor allem die verschärften wirtschaftlichen Rahmenbedingungen des sozialen Arbeitsmarktes im Fokus. Tonojan machte deutlich, dass das Land Baden-Württemberg beim Thema Inklusion und Beschäftigung strukturell in der Pflicht steht – auch und gerade bei Einrichtungen, die keine direkten institutionellen Landesförderungen erhalten.
Die vom Caritasverband und den Kommunen des Landkreises getragene Gesellschaft leistet seit fast drei Jahrzehnten unverzichtbare Arbeit in der Region. Weit über 100 betreute Maßnahmenteilnehmer durchlaufen pro Jahr die verschiedenen Qualifizierungs- und Beschäftigungsbereiche des sozialen Unternehmens. Zusammen mit rund 25 bis 35 festangestellten Fachkräften und etwa 20 Mitarbeitern mit Beeinträchtigungen in den SGB-IX-Inklusionsabteilungen bildet die gGmbH eine entscheidende Brücke zum ersten Arbeitsmarkt.
Patrick Krezdorn und Rüdiger Tonojan im GesprächGeschäftsführer Patrick Krezdorn führte den Abgeordneten durch das Gebäude am Elzdamm auch zum Bistro „FAIRköstlich“, das als integrativer Gastronomiebetrieb einen regionalen Mittagstisch anbietet. Neben dem Bereich Gastronomie und den bekannten FAIRKAUF-Secondhand-Kaufhäusern setzt die Gesellschaft verstärkt auf innovative, ökologische Projekte: In der Kreativwerkstatt „FAIRnäht“ entsteht unter dem bundesweiten Caritas-Label EiNZIGWARE hochwertiges Upcycling-Design aus Restmaterialien. Gleichzeitig leistet das Projekt Stromspar-Check durch kostenlose Energieberatung für einkommensschwache Haushalte einen direkten Beitrag zum Klimaschutz und zur sozialen Entlastung im Landkreis.
„Was die 48° Süd hier leistet, zeigt eindrucksvoll, dass wirtschaftliches Handeln, ökologische Kreislaufwirtschaft und tiefe soziale Verantwortung Hand in Hand gehen können. Hier erhalten Menschen eine echte Perspektive, die auf dem regulären Arbeitsmarkt oft chancenlos wären“, zeigte sich Rüdiger Tonojan beeindruckt.
Im weiteren Gespräch machte Krezdorn jedoch deutlich, dass sich die Rahmenbedingungen für Beschäftigungs- und Inklusionsbetriebe drastisch verschärfen. Ein zentrales Problem ist die finanzielle Absicherung: Da die Beschäftigungsmaßnahmen stark von Eigenerlösen, EU-, Bundes- und Jobcenter-Mitteln abhängen, erschweren jährliche
Budgetunsicherheiten eine langfristige Planung. Hinzu kommen massiv gestiegene Personalkosten durch Mindestlohnanpassungen, die im Alltag von den betroffenen Arbeitnehmern aufgrund ihrer individuellen Beeinträchtigungen leistungsmäßig nicht voll erwirtschaftet werden können – der Nachteilsausgleich deckt diese Lücken oft nur unzureichend.
Besonders drastisch schlagen zudem die Infrastruktur- und Entsorgungskosten zu Buche: Da ein erheblicher Teil der Sachspenden für die Secondhand Kaufhäuser aufgrund von unzureichender Qualität oder zu geringer Nachfrage nicht verkauft werden können, fallen für die 48°Süd jährlich hohe Müllgebühren an. Geld, das am Ende in der sozialpädagogischen Betreuung fehlt. Diese wird jedoch immer wichtiger, da die zugewiesenen Teilnehmer zunehmend unter multiplen, komplexen Vermittlungshemmnissen und psychischen Belastungen leiden.
Rüdiger Tonojan betonte, dass er die direkten Hebel auf kommunaler Ebene nutzen wolle. In seiner Funktion als Mitglied des Emmendinger Kreistags kündigte er an: „Gerade bei den drückenden Entsorgungsgebühren für gemeinnützige Träger hat der Landkreis über die kommunale Abfallwirtschaft direkten Handlungsspielraum. Ich werde mich im Kreistag dafür einsetzen, dass wir weitere Lösungen suchen, um Inklusionsbetriebe wie die 48° Süd bei den Müllgebühren für unbrauchbare Spenden gezielt zu entlasten. Das ist gut angelegtes Geld, das direkt wieder in die Betreuung der Menschen vor Ort fließt, und so langfristig den Sozialhaushalt entlastet.“
Die 48° Süd gGmbH (Zentrum für neue Arbeit) ist eine gemeinnützige Beschäftigungsgesellschaft in Trägerschaft des Caritasverbandes für den Landkreis Emmendingen e.V. und der Kommunen des Landkreises. Seit 1996 qualifiziert, beschäftigt und vermittelt sie Menschen mit Vermittlungshemmnissen und Behinderungen in den Bereichen Handel, Handwerk, Gastronomie und Recycling.