Pressemitteilung Nr.28/2026
Emmendingen, den 29.07. 2026
Wie die Elz zwischen Denzlingen und Wasser/Kollmarsreute auf gut 2,5 Kilometer wieder mehr Platz bekommt
Im Rahmen seiner Sommertour hat Rüdiger Tonojan MdL am Freitag, 24. Juli, zu einer Exkursion zur Elzrevitalisierung zwischen Denzlingen und Wasser/Kollmarsreute eingeladen. Rund 30 Interessierte kamen, um sich über eines der größten Wasserbauprojekte der Region zu informieren.
Über zwei Stunden führten Bernd Walser, Flussmeister a.D. beim Regierungspräsidium Freiburg, Projektoberleiter Frank Bödeker (RP) sowie Klaus Busselmann vom Planungsbüro Fichtner Water & Transportation GmbH durch das Baugeschehen. Den Abschluss bildete ein gemeinsamer Ausklang in der Pizzeria Adler in Wasser.
Wie die interessierten Teilnehmer*innen lernen durften, wurzeln die heutigen Probleme der Elz in der Begradigung durch Johann Gottfried Tulla im 19. Jahrhundert. Um die gefürchteten Advents- und Weihnachtshochwasser zu verhindern, aber auch, um mit neuem Ackerland auf den großen Landhunger der Menschen reagieren zu können, wurden damals alle größeren Schwarzwaldflüsse wie Kinzig, Dreisam und Elz begradigt.
Heute ist der ökologische Zustand der Elz vor allem im Sommer alles andere als gut: Aktuell führt sie am Pegel Gutach nur noch rund 550 Liter Wasser pro Sekunde, ein Hinweis darauf, wie stark der Fluss unter den Folgen der zunehmenden Trockenheit leidet. Durch die Revitalisierung soll der Fluss ein strukturierteres Bett erhalten, mit Mäandern, Kiesinseln und vor allem auch tieferen Gewässerbereichen (Kolke). Durch das verbreiterte und abwechslungsreiche Flussbett sollen sowohl die Bedingungen für Fische und andere Wasserlebewesen verbessert als auch Hochwasser in der neu geschaffenen Flussaue zurückgehalten und die Neubildung von Grundwasser verstärkt werden.
Mit dem aktuellen Bauprojekt werden die bestehenden Hochwasserdämme ins Hinterland zurückverlegt, damit sich die Elz wieder naturnah entwickeln kann. Erfahrungen, die bei früheren Bauprojekten an der Elz (z.B. Köndringen-Riegel) gemacht wurden, konnten in die Planung und Umsetzung einfließen. Die zentrale Aufgabe besteht auch vor allem darin, die neuen Dammlinien so zu planen, dass die Elz auch bei stärkeren Abflüssen genügend Raum hat, ohne auszubrechen.
In diesem Jahr werden zunächst vor allem die Erd- und Wegebauarbeiten ausgeführt. Die Baustelle umfasst eine Gesamtfläche von 18,3 Hektar. Bemerkenswert ist, dass das gesamte Erdmaterial für die neuen Dämme, rund 50.000 m³, direkt vor Ort gewonnen wird. Das spart nach Angaben der Referenten etwa ein Drittel der Kosten gegenüber einem Materialtransport von außerhalb. Für den Erhalt bzw. die Neuschaffung artenreicher Wiesenflächen auf den zukünftigen Dämmen wird Wiesendrusch von fünf verschiedenen Reifezeitpunkten von ähnlichen Standorten entlang der Elz gewonnen.
Nach Angaben vor Ort liegt das Projekt derzeit gut im Zeitplan. Die Arbeit der ausführenden Baufirma wurden von den Referenten ausdrücklich gelobt: Es entstehen ca. 2,1 km neuer Damm im Hinterland, während ca. 1,2 km bestehende Dämme gesichert und angepasst werden und auf einer Länge von ca. 1.400 Metern wird das Gewässer naturnah umgestaltet, inklusive ca. 1.100 Metern kompletter Flussbettverlegung. Dafür müssen rund 180.000 m³ Boden bewegt werden.
Bis Ende des Jahres sollen die neuen zurückverlegten Dammlinien beiderseits der Elz fertiggestellt sein. Die alten Dämme bleiben noch bis Mitte des nächsten Jahres bestehen, sodass der Hochwasserschutz durchgehend gewährleistet ist. Ihr Rückbau erfolgt erst mit der Umgestaltung des Flusslaufs. Die eigentliche Revitalisierung mit den ökologischen Strukturmaßnahmen soll ab 2027 folgen, der Abschluss des Gesamtvorhabens wird für 2028/29 erwartet. Die Baukosten der Maßnahme belaufen sich auf rund 15 Millionen Euro. Hierbei trägt der Bund über das Hochwasserschutzprogramm den größten Anteil, während sich Land und die beiden Kommunen den Rest teilen. Für die Planung haben das Land 60 %, die Stadt Emmendingen 20 % und die Gemeinde Denzlingen 20 % der Kosten übernommen.
Der Wahlkreisabgeordnete Rüdiger Tonojan betonte: „Das Projekt zeigt, was möglich ist, wenn Bund, Land und Kommunen an einem Strang ziehen: Mehr Sicherheit vor Hochwasser und zugleich mehr Raum für die Natur. Die Elzrevitalisierung ist ein Paradebeispiel dafür, wie Klimaanpassung, Naturschutz und auch Naherholung zusammengedacht werden können und wie wichtig eine verlässliche Finanzierung durch alle Ebenen dafür ist.“
Die Sommertour mache allen Teilnehmer*innen deutlich: Auch abseits der großen Schlagzeilen entstehen in der Region Projekte von landesweiter Bedeutung.